AMSTETTEN: GIER DER MEDIEN GRENZENLOS

Mai 10th, 2008 | By admin | Category: ALLGEMEIN, KOLUMNE

Liebe BonaVitanerinnen, liebe BonaVitaner,

Will W. HeppnerDer furchtbare Inzestfall von Amstetten hat eine breite Diskussion über Selbstkontrolle und Ethik innerhalb der Medienbranche hervorgerufen. Das Privatleben und vor allen Dingen die Würde des Menschen müssten besser geschützt werden. Es könne doch wohl nicht sein, dass die Vertreter der Medien auf der Suche nach einer Sensationsstory den gebotenen Ethik-Kodex einfach ignorieren, so die Vorwürfe. “Auf der Suche nach einer möglichen Sensation sind den Medien heute oft alle Mittel Recht. Ein selbstkritischer Zugang ist immer seltener vorhanden”, stellt Peter Vitouch, Medienpsychologe und Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien fest. Die Medien hätten zwar den Auftrag “durchleuchtend” zu wirken, die Persönlichkeitsrechte der Opfer müssten aber zu jeder Zeit vollkommen geschützt werden.

“Wir haben es hier mit einer professionellen Verfremdung des Journalismus zu tun”, erklärt Vitouch. Die knallharte Konkurrenz auf dem Mediensektor habe die Selbstkritik der Medien zunehmend zurück gedrängt, was in Verbindung mit einer generell zu beobachtenden Entwicklung zur Ellenbogengesellschaft zu sehen ist. Natürlich spiele in diesem Zusammenhang auch der finanzielle eine ganz wesentliche Rolle. “Bei derartigen Geschichten geht es auch immer um viel Geld. Dies führt dazu, dass die Gier der Medien, über die vermeintliche Sensation als Erster zu berichten, stärker wird”, meint Vitouch. Die österreichische Medienbranche dürfe sich auf eine derartige Vorgehensweise gar nicht erst einlassen. “Wir müssen sehr aufmerksam sein und aufpassen, dass wir nicht auf ähnliche Verhältnisse zusteuern, wie sie bereits in Großbritannien gang und gäbe sind”, warnt Vitouch.
Berichterstattung über Amstetten Gestützt werde diese Entwicklung zudem von einer immer stärker steigenden Nachfrage auf dem Boulevard-Sektor. “Die Zielgruppe der Boulevard-Kunden wird zunehmend größer. Folglich gewinnt auch die thematische Bedienung dieser Gruppe für die Medien immer mehr an Bedeutung”, erläutert Vitouch. Die grundlegend wichtige Abwägung zwischen der Freiheit der Medien und dem Schutz der Privatsphäre werde da nur allzu oft in den Hintergrund gedrängt. Ein Journalist habe sich einmal in diesem Zusammenhang damit gerechtfertigt, dass es nichts Ethischeres gebe als über die Wahrheit zu berichten, schildert Vitouch. “In meinen Augen ist das eine vollkommen verfehlte Argumentation. Diese Form der Wahrheit hat in der Öffentlichkeit einfach nichts verloren”, betont der Medienpsychologe.

Im Zuge dieser Diskussionen wird der Ruf nach einem eigenen Kontrollorgan für derartige Angelegenheiten zunehmend stärker. “Die Zeit ist mehr als reif für die Gründung eines neuen Presserates zur Selbstkontrolle der Medien. Vielleicht gelingt unter dem Eindruck einer verantwortungslosen Ausschlachtung des Schicksalsdramas von Amstetten durch bestimmte, einzelne Massenmedien nach jahrelangem, fruchtlosem Geplänkel der Durchbruch”, zitiert das Branchenportal medianet den Sprecher der Initiative “Qualität im Journalismus”, Engelbert Washietl. “Die Installation eines Presserats wäre sicherlich wünschenswert”, meint auch Hannes Schopf vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) t auf Anfrage. Dieser stelle aber nur eine mögliche Form der Selbstkontrolle dar und weise zudem einen kleinen Schönheitsfehler auf. “Der Presserat kann solche Vorfälle nicht verhindern, da seine Kontrolle erst im Nachhinein wirksam wird”, erklärt Schopf. Darum sei es wichtig, dass die Selbstkontrolle bereits in den Redaktionen selbst verankert ist. “Dort müssen die Entscheidungen entsprechend dem Ehrenkodex der Presse und den medienrechtlichen Bestimmungen gefällt werden”, so Schopf.

Dem kann ich nur beipflichten. Wenn es künftig zur journalistischen Gepflogenheit wird, ohne Rücksicht auf „Verluste” um jeden Preis zu berichten, muss dringend etwas geschehen, sonst ist zum Nachteil von Opfern nichts mehr zu kontrollieren, Pressefreiheit hin oder her.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe BonaVitanerinnen und BonaVitanern,

Frohe Pfingstfeiertage

und wie immer ein herzliches BONA VITA!

Ihr Will W. Heppner

Foto: pixelio.de, Paul-Georg Meister

Tags: , , , ,

One comment
Schreiben Sie ein Kommentar »

  1. [...] hält MS die EU-Bürger für blöd, glaube ich aber nicht, > da wir eher als besonderst Kritisch gelten. Wahrscheinlich verkaufen > die das Ding nach einem Monat auch hier für [...]

Leave Comment