CASH 2009
Jul 5th, 2009 | By wolfabo | Category: EX LIBRISDie neue Weltwirtschaftskrise
Es hätte alles so schön sein können in Deutschland – die Wirtschaft florierte und die Arbeitslosenzahlen sanken endlich wieder. Angesichts der unerwartet großen Export-erfolge und der positiven Meldungen vom Arbeitsmarkt wagte schon so mancher, vom „zweiten Wirtschaftswunder“ zu sprechen. Stattdessen erschütterte die weltweite Finanzkrise Deutschland und Europa wie ein „Jahrhundert-Tsunami“. Täglich neue Hiobsbotschaften von den Börsen der Welt zwangen die Regierungen zum Eingreifen. Mit ihrem schnell geschnürten Rettungspaket konnte die Bundesregierung Bankenpleiten hierzulande verhindern – doch andere wichtige Säulen der deutschen Wirtschaft wie die Automobilbranche gerieten ins Wanken. Wohin wird der Crash noch führen und wie sollen wir darauf reagieren?
Nach seinem erfolgreichen Titel „Wall Street Panik – Banken außer Kontrolle“ beleuchtet Wolfgang Köhler nun die Hintergründe und Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise und erklärt anschaulich und leicht verständlich die komplizierten Zusammenhänge der globalen Ökonomie.
Zudem gibt er wertvolle und konkrete Tipps, wie jeder sein Hab und Gut möglichst unversehrt durch diese Krise bringen kann.
Zum Autor.
Seit vielen Jahren ist der gelernte Diplom-Kaufmann Wolfgang Köhler (geb. 1947) mit den Krisen des Wirtschafts- und Finanzsystems vertraut. In der „Wirtschaftswoche“ analy-sierte er bereits die Hintergründe und Folgen des Aktiencrashs von 1987. Später leitete er dort das Ressort „Geld + Kapital“. In den 1990er Jahren schrieb er in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ über Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik und an den Finanzmärkten.
Frühzeitig warnte er seine Leser als Börsenkolumnist vor den Verrücktheiten des Internet-Aktienbooms. Heute lebt und arbeitet Köhler als freier Journalist in Düsseldorf.
Köhlers fundierte und packende Analyse „Wall Street Panik. Banken außer Kontrolle“ entwickelte sich im Herbst 2008 zu einem der Top-Sachbücher zur Finanzkrise.
Wolfgang Köhler
CRASH 2009
Untertitel: Die neue Weltwirtschaftskrise
Wie es dazu kommen konnte und
wie Sie jetzt Ihr Geld anlegen sollten!
Mankau Verlag, 1. Aufl. April 2009
12,95 € (D) / 13,40 € (A), Taschenbuch
12,5 x 18,5 cm, 253 S.; ISBN 978-3-938396-31-5
Quelle & Fotos: Mankau Verlag
Das Interview mit dem Autor
Aus der Krise eine Chance machen
„Der Marktliberalismus angelsächsischer Prägung hat ausgedient; der Wettbewerb anderer Systeme wird dem Kapitalismus und den Menschen, die in ihm Leben, gut tun. Wenn der globale Wettbewerb uns nicht mehr dermaßen unter Druck setzt und viele Menschen überfordert, haben wir die Chance, das Ökonomische wieder mehr aus unseren Beziehungen zu Kindern und Familie, Freunden und Kollegen herauszuhalten.“ Bestseller-Autor Wolfgang Köhler („Wall Street Panik“) analysiert in seinem neuen Spitzentitel die Hintergründe und Zusammenhänge der aktuellen Wirtschaftskrise und gibt wertvollen und kompetenten Rat, wie jedermann sein Hab und Gut unversehrt durch die Krisenjahre bringen kann.
BONA VITA: Mit Ihrem Buch „Crash 2009″ setzen Sie Ihre spannende Analyse der „neuen Weltwirtschaftskrise” fort. Ist ein Ende der Krise abzusehen und wo sehen Sie die Chancen für die Zukunft?
Köhler: Leider sehe ich bis jetzt überhaupt noch keine Anzeichen für ein Ende der Krise. Es scheint auch niemand zu wissen, mit welchen Mitteln dieser Krise beizukommen ist. Nur die Ursachen sind klar: ein völlig aus dem Ruder gelaufener, internationaler Kredit- Boom. Leider hat auch die Wissenschaft keine Blaupause dafür, wie man die riesigen Berge fauler Kredite „sozialverträglich” abtragen kann. Diesen Zweig der Erkenntnis hat die Nationalökonomie total verkümmern lassen. Aber Krisen bergen eben auch Chancen. Der Marktliberalismus angelsächsischer Prägung hat ausgedient. Das bietet den Konti-nentaleuropäern die Chance, die Soziale und – inzwischen auch – Ökologische Marktwirt-schaft weiterzuentwickeln. Und aus Asien erhält der Marktliberalismus Konkurrenz von neuen Formen eines staatsdirigistischen Kapitalismus. Dieser Wettbewerb unterschied-licher Systeme wird dem Kapitalismus und den Menschen, die in ihm leben, insgesamt gut tun.
BONA VITA: Manche Zeitgenossen sehen gegenwärtig schon „Weimarer Verhältnisse” für Deutschland voraus. Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zur Weltwirtschaftskrise der Zwanzigerjahre?
Köhler: Ob es zu „Weimarer Verhältnissen” kommt, hängt davon ab, wieviel Wut diese Krise produzieren wird. Und dies hängt unter anderem davon ab, wie gut unsere vielfältigen Sicherungssysteme halten, die wir heute im Unterschied zur Weimarer Zeit haben. Dazu gehören die sozialen Sicherungssysteme ebenso wie politische, also beispielsweise die Europäische Union und der Europarat, in die wir fest eingebunden sind und die keine undemokratischen Gesellschaften dulden. Was die sozialen Netze angeht, da sollten die Regierungen besser jetzt kein Geld verschenken, damit wir Bürger uns Dinge kaufen, die wir nicht unbedingt brauchen. Dieses Geld wäre in echten Zukunftsinvestitionen besser angelegt und wird zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme wahrscheinlich noch dringend gebraucht.
BONA VITA: Eine Ihrer Thesen lautet, dass die aktuelle Situation tief im Geiste des vergangenen Jahrhunderts wurzelt. Ist damit das so genannte „Zeitalter der Extreme” auch am Ende angelangt?
Köhler: Um dieses unselige 20. Jahrhundert endlich hinter uns zu bringen, braucht es zweierlei: Wir müssen erstens hoffen, dass uns dies gelingt, und zweitens genug aus der Geschichte der letzten Jahrzehnte lernen, damit wir nicht wieder von einem Extrem ins nächste schlittern. Über Mittelmaß mag man die Nase rümpfen, Mittelwege sind dagegen oft besser als ihr Ruf.
BONA VITA: Die Krise trifft die Exportnation Deutschland besonders hart. Vor welchen grundsätzlichen Entscheidungen steht Deutschland nach dem Crash?
Köhler: Deutschland ist allein viel zu klein, um irgendetwas „grundsätzlich” neu zu regeln. Es muss aber gemeinsam mit seinen europäischen Partnern schleunigst eine Vorstellung davon entwickeln, welche Rolle die Europäische Union in einer Welt mit mehreren politischen und wirtschaftlichen Machtzentren eigentlich einnehmen will und welche Ziele sie dabei verfolgt. Für diese neue Welt hat die EU bislang weder eine politische noch eine wirtschaftliche Strategie; sie wird sie aber brauchen, wenn sie – was zu befürchten ist – sich nicht mehr in gleichem Maße wie in den vergangenen Jahrzehnten auf die politische, wirtschaftliche und militärische Supermacht USA stützen kann.
Intern wird Deutschland sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass es nicht auf Dauer viel mehr exportieren als importieren kann, wenn infolge der Krise die globalen Handelsungleichgewichte abgebaut werden. Der Titel „Exportweltmeister” basiert nun mal auf der Bereitschaft anderer Länder, mehr zu importieren als zu exportieren. Wenn diese Bereitschaft oder die Fähigkeit dazu schwindet, wie jetzt in den USA, dann muss Deutschland seine Binnennachfrage stärken, damit aus der Exportflaute keine Dauerkrise wird.
BONA VITA: Der Philosoph Joachim Koch diagnostizierte vor einigen Jahren eine Durchdringung aller Lebensbereiche durch die Ökonomie. Hat diese „Megaphilo-sophie” nun endgültig abgedankt?
Köhler: Ich fürchte, dafür ist es jetzt noch zu früh. In der Krise nimmt das Gewicht des ökonomischen und des Nutzendenkens eher noch zu. Die natürliche Reaktion derer, denen es wirtschaftlich miserabel geht, liegt doch darin, alles Menschmögliche daran zu setzen, aus der Misere wieder herauszukommen. Nein, eine Chance, das Ökonomische aus unseren Lebensplänen, aus unseren Beziehungen zu Kindern und Partnern, Eltern, Freunden und Kollegen wieder etwas herauszudrängen, haben wir erst dann, wenn die Welt sich etwas beruhigt. Wenn der globale Wettbewerb, ein Wettbewerb unter sehr ungleichen Voraussetzungen, uns nicht mehr dermaßen unter Druck setzt, dass wir stets am Limit arbeiten müssen, und dabei sehr viele Menschen überfordert. Auch hier gilt: Wohldosiert bewirkt Wettbewerb absolut Positives, die Überdosis aber, der uns der enthemmte und entgrenzte Kapitalismus mit der Globalisierung seit 1990 ausgesetzt hat, vergiftet das Leben.
BONA VITA: Die Vereinigten Staaten von Amerika haben den Kapitalismus zwar nicht erfunden, doch liegen hier mindestens einige entscheidende Ursachen für die heutige Weltwirtschaftskrise. Ist von den USA oder von ihrem neuen Präsidenten Obama auch ein Beitrag zur Rettung zu erwarten?
Köhler: Wir können nicht darauf bauen, dass die USA unsere Probleme lösen. Womit denn auch. Washington muss sich das Geld, das es zur Rettung der eigenen Wirtschaft braucht, doch selbst im Ausland pumpen. Wenn jeder vor der eigenen Tür kehrt, ist bald die ganze Straße sauber. Außerdem sind die USA an dieser Krise nicht allein schuld. An dem aus dem Ruder gelaufenen Kredit-Karussell haben deutsche und europäische Banken doch kräftig mitgedreht.
BONA VITA: In Ihren zehn Regeln für die Geldanlage raten Sie zu einem behutsamen Umgang mit dem Risiko und zu einer Rückkehr zu „bleibenden”, auch ökologisch nachhaltigen Werten. Ist also doch nur „eigener Herd Goldes wert”?
Köhler: Vor beinahe 30 Jahren habe ich mich mit einem Freund kurz entschlossen in Berlin ins Auto gesetzt, um nach Indien zu fahren. Das war ein großes Abenteuer und ein ziemlich riskantes Unterfangen. Um nichts in der Welt möchte ich diese Erfahrung missen. Nur: Die Risiken, die jemand eingeht, muss er auch aushalten können.
Vielleicht lernen manche Geldanleger ja jetzt in der Krise, dass Geld nicht „arbeitet”. Es schafft uns nichts zu essen und keine Kleidung, wärmt nicht unsere Häuser und Wohnungen – es sei denn, wir verbrennen es im Kamin statt am Kapitalmarkt. Waldbesitzer wissen aus der Erfahrung von Generationen, dass man nicht mehr Holz einschlagen soll als nachwächst, wenn man nicht auf eigenem Grund und Boden verarmen will. Diese Nachhaltigkeit, nämlich der substanzielle Erhalt des Vermögens, sollte das erste und wichtigste Ziel jedes Anlegers sein. Rendite kann man auch erzielen, indem man sich Solarzellen auf das eigene Dach baut. Obendrein kurbeln solche Investitionen die Wirtschaft an.
BONA VITA: “Vielen Dank für dieses Gespräch!”
Wolfgang A. Bocksch – Chefredakteur

