Citroën 2 CV – 60 Jahre Ente
Okt 12th, 2008 | By wolfabo | Category: AUTO & MOBIL, Motor-ClassicsEine Autolegende wird sechzig

Eigentlich hätte der „TPV“ oder „toute petite voiture“ – „sehr kleines Auto“ – wie der Wagen intern hieß, bereits zum Pariser Salon 1939 erscheinen sollen. Der Kriegsausbruch kam dazwischen. Am 7. Oktober 1948 war es dann soweit. Auf der Pariser Autoschau wurde die „Ente“, wie die Deutschen den „Deuxjevaux“ liebevoll tauften, der Weltöffentlichkeit vorgestellt – und erlebte erst einmal eine Bruchlandung.
Das anspruchsvolle Premierenpublikum, darunter auch der französiche Verkehrsminister, gewöhnt an die Oberklasse-Noblesse
eines Traction Avant, war schockiert vom minimalistischen Design des “hässlichen Entleins” und wandten sich mit Grauen ab. Doch genau diese „Ente“ wurde Kult.
Bei diesem Auto wurde die Ausstattung auf das Nötigste reduziert, der Prototyp hatte vorn sogar nur einen Scheinwerfer.
Die Idee zum Bau der Ente stammte von Pierre Jules Boulanger, der 1938 bis 1950 Generaldirektor von Citroën war. Bei der Entwicklung des Prototypen zielte man auf die französischen Bauern und andere
Landbewohner ab, die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts höchst selten Auto fuhren. Die Entwicklung des Prototyps begann schon 1935. Der Legende nach sollte die Ente am Ende “zwei Bauern in Stiefeln und einen Sack Kartoffeln befördern”, dabei eine ansehnliche Geschwindigkeit erreichen und sehr wenig Sprit verbrauchen. Der französischen Landbevölkerung mangelte es an Geld für mehr.
Profiliertes Wellblech war für eine stabile Karosse bei der Ente jahrelang üblich, um ausreichende Stabilität zu erreichen (siehe Foto oben). Erst später ging man in der Produktion zu normalem Stahlblech über.
Eine weitere Legende besagt, dass eine Ente mit einer Sahnetorte an Bord über einen frisch gepflügten Acker fahren kann, ohne dass der Sahnetorte auch nur das Geringste passiert.
Serienreif war die Ente erst im Oktober 1948, der Zweite Weltkrieg hatte die Entwicklung unterbrochen. Citroën wollte den 2 CV schon früher anbieten, musste jedoch erst neue Fließbänder für ihre Herstellung einrichten. Außerdem soll Generaldirektor Boulanger mit dem Produktionsbeginn gewartet haben, bis sich die finanziellen Verhältnisse der “kleinen Leute” nach dem Krieg besserten und eine Werbekampagne für das neue Auto Erfolg und Absatz versprach.
In den Prototypen hatte man noch Zweitaktmotoren von BMW eingebaut, 1948 liefen die ersten Enten mit einem Zweizylinder Boxermotor von Citroën vom Band.
Im Laufe der Jahre wurde die äußerst spartanische und nur auf das Allernötigste beschränkte Ausstattung verbessert. Die Ente erhielt Zündschloss und auch Türschlösser. Es folgten Blinker, Heizung, Aschenbecher und später dann auch die obligatorischen Sicherheitsgurte.
Auch mit Allradantrieb fürs Gelände gab es die Ente und sie efreute sich großer Beliebtheit bei Forstbetrieben und natürlich heute bei Allradfans, obwohl die Allrad-Ente nur noch sehr selten zu finden sein dürfte.
In den 60er und 70er Jahren galt die Ente als „Studentenauto“. Heute ist sie ein Kultauto wie der Käfer von VW.
Der Spitzname “Ente” entstand durch den unverwechselbaren Klang des “schnatternden” Motors sowie durch die einmaligen kippbaren Flügelfenster in den vorderen Türen, die wie kleine Flügel anmuten.
Wir gratulieren zum Sechzigsten!
Fotos: Citroën Deutschland

[...] ENTE gut, alles Gut [...]