Die Mallorca Connection
Mrz 19th, 2009 | By wolfabo | Category: EX LIBRISKriminelle Machenschaften auf beliebten Urlaubsinsel
Mallorca ist unbestritten die meistbereiste Urlaubsinsel Europas. Vielleicht ist sie auch die schönste Insel im ganzen Mittelmeerraum. Und sie bietet alles, wovon besonders Reisende aus Deutschland träumen: Ruhe und Erholung, Natur und Meer oder Hully-Gully und Schikimicki für Promis und solche, die es werden wollen.
Doch die Idylle täuscht. Europas Urlaubs- und Sonnenparadies ist zum Tatort für Korruption, Betrug, Amtsmissbrauch, Urkundenfälschung, Bestechung und Bestechlichkeit geworden.
Mit dem Massentourismus und dem Kult um Mallorca haben sich auch schnell Geschäfte-macher etabliert, die mit wenig Aufwand den größtmöglichen Gewinn zu scheffeln versuchen und selbst vor kriminellen Methoden nicht zurückschrecken. Die Rede ist nicht von drogenabhängigen Kleinkriminellen, nicht von Einbrechern oder Strandräubern, die auch in Mallorca ihr Unwesen treiben, sondern von der hermetisch abgeschlossenen mallorquinischen Gesellschaft. Es ist die Rede von höchst angesehenen Anwälten und Notaren, von Amtspersonen in hohen und höchsten Ämtern, von Politikern, von Bankern und Repräsentanten der Wirtschaft. Auf der einen Seite stehen ungeheure Summen an Bargeld, die sich im Zusammenhang mit dem extremen Bauboom angehäuft haben. Auf der anderen Seite steht der allzu lasche Umgang mit Gesetzen und Vorschriften, der wie ein Magnet das Organisierte Verbrechen anzieht.
Mallorca ist zum Tatort für Korruption, Betrug, Amtsmissbrauch, Urkundenfälschung, Bestechung und Bestechlichkeit geworden. Die Insel ist nicht nur ein europäisches Urlaubsparadies, sondern seit zehn Jahren auch der Sitz der russischen Mafia, die mit Immobiliendeals und Investitionen in Bars und Clubs ihre aus schmutzigen Quellen stammenden Einkünfte reinzuwaschen versucht.
In seinem neuesten Buch beschreibt der bekannte Journalist Günther G. Prütting die krummen Geschäfte und Machenschaften einer korrupten Clique rund um eine einstmals renommierte Anwaltskanzlei und entflicht die verworverworrenen Fäden, die sich zu einem kriminellen Netzwerk verdichtet haben. Prütting ist exzellenter Mallorca-Kenner und beobachtet die Szene seit zwanzig Jahren. Mit „Die Mallorca Connection“ meldet er sich nach langer Krankheit erstmals in der Öffentlichkeit zurück und legt einen spannenden Insider-Report vor, der minutiös die bisherigen Ermittlungsergebnisse im größten Geldwäscheskandal und Korruptionsfall der Balearen aufzeigt.
Den Beteiligten der kriminellen Clique drohen nun hohe und höchste Haftstrafen.
Aber es kommt noch schlimmer: Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Immobilien, Apartments bis hin zu den Nobelvillen auf der ganzen Insel, viele davon im Besitz von Deutschen, sind illegal erbaut worden. Ihnen droht nun der Abriss, um die Rechts-ordnung wiederherzustellen … Ein packender Tatsachenbericht – so spannend wie ein Thriller.
Mallorcas Champagner-Luft hat einen Hautgout – hinter der schönen Urlaubskulisse stinkt es gewaltig. Seit 2005 ermitteln Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung und Geldwäsche-Experten im größten Korruptionsfall und Geldwäsche- skandal in der Geschichte der Balearen.
Die Korruption im facettenreichen Immobiliensektor von Mallorca reicht bis in die höchsten Regierungsämter.
Im Mittelpunkt der Razzien steht die angesehene Anwaltskanzlei Bufete Feliu, deren pro- minentester Klient der amerikanische Schauspieler Michael Douglas ist. Elf Personen wer- den verhaftet, weitere vierzehn zu Beschuldigten erklärt. Die Anwälte und Steuer-berater sind angeklagt, ein gigantisches kriminelles Netzwerk errichtet zu haben – mit dem Ziel der Geldwäsche und der Einrichtung eines Steuerparadieses mitten in Palma de Mallorca. Den Beteiligten drohen nun hohe und höchste Haftstrafen. Aber es kommt noch schlimmer: Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Immobilien, Apartments bis hin zu Nobelvillen rund um Andratx und auf der ganzen Insel, viele davon im Besitz von Deutschen, sind illegal erbaut worden.
Dazu der mallorquinische Staatsanwalt Julio Cano: „Die Korruption hat die demokra-tischen Institutionen Mallorcas zerstört. Damit die Rechtsordnung wiederhergestellt werden kann, müssen alle illegal erbauten Immobilien ohne Ausnahme abgerissen werden.“
Über den Autor
Günther G. Prütting (geb. 1943), Journalist und Autor, meldet sich mit seinem spannenden Buch “Die Mallorca Connection” (März 2009) nach schwerer Erkrankung erstmals in der Öffentlichkeit zurück. Sein Bericht ist ein Kriminalstück, wie es die Mafia nicht besser erfinden könnte.
Prütting hat für die politischen Magazine von ARD, ZDF und Schweizer Fernsehen zahlreiche Skan- dale aufgedeckt: So wurde internationalen Schlachtvieh- und Giftmüllschiebern durch seine Recherchen das Handwerk gelegt. Er fand die versteckten SED-Millionen ebenso wie das Versteck des DDR-Spionagechefs Markus Wolf. Seine Berichterstattung über den Tod des früheren Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein brachte ihm viel Lob, aber auch Kritik ein. Zwanzig Jahre später mussten seine Kritiker eingestehen: Uwe Barschel wurde wahrscheinlich doch ermordet, so wie es Prütting im ZDF-heute journal bereits im Dezember 1987 veröffentlicht hatte. Prütting ist ex- zellenter Mallorca-Kenner und beobachtet die Szene seit 20 Jahren. Mit dem Buch “Die Mallorca Connection” beweist er einmal mehr seinen Spürsinn für brisante Themen.
Autor: Günther G. Prütting
Titel: Die Mallorca Connection
Untertitel: Kriminelle Netzwerke im Urlaubsparadies
Verlag: Mankau Verlag
1. Auflage: April 2009
Preis: 16,95 € (D) / 17,50 € (A)
Ausstattung: Broschur
Format: 13,5 x 21,5 cm, 217 Seiten
ISBN: 978-3-938396-27-8
INTERVIEW MIT DEM AUTOR
Günther G. Prütting im Gespräch über Korruption und Rechtsunsicherheit auf Mallorca
Im Visier: Die Mallorca Connection
„Zuerst kamen die Reichen, die Schönen und die VIPs; dann kamen diejenigen, die diese gnadenlos abgezockt haben.“ Günther G. Prütting, Top-Journalist und Wahlmallor-quiner, stellt nach monatelangen Recherchen in seinem spannenden Insider-Report „Die Mallorca Connection“ kriminelle Machenschaften von korrupten Entscheidungsträgern und skrupellosen Rechtsberatern an den Pranger. Gleichzeitig gibt er Hilfe für Immobi-lienbesitzer auf Mallorca.
BonaVita: Seit zwanzig Jahren beobachten Sie die Geschehnisse und kennen die Verhältnisse auf Mallorca. Was hat Sie auf die Spur der „Mallorca Connection“ gebracht?
Prütting: Den Verdacht, dass hinter den Kulissen der wunderbaren Ferieninsel die Korruption blüht, hatte ich schon seit Jahren. Spanier, vor allem auch Mallorquiner haben mir immer wieder erzählt, dass man auf Mallorca nur dann Bau- und sonstige Genehmigungen erhält, wenn man die richtigen Leute kennt und bezahlt. Informanten aus der Kanzlei Feliu haben mir die ersten Hinweise gegeben.
BonaVita: Sie beschreiben unglaubliche und skrupellose Machenschaften einfluss-reicher Kreise auf der beliebten Ferieninsel. Fürchten Sie keine Konsequenzen, wenn Sie die Personen und Dinge beim Namen nennen?
Prütting: Nein. Trotz aller kriminellen Machenschaften ist Spanien noch immer ein Rechtsstaat. Die Gesetze sind ja vorhanden. An der konsequenten Durchsetzung der Gesetze hat es bislang jedoch gemangelt. Ich selbst habe zwei Polizisten wegen Nötigung vor das spanische Strafgericht gebracht. Beide wurden verurteilt.
BonaVita: Neben der Schilderung des größten Kriminal- und Korruptionsfalles auf den Balearen geben Sie auch Hinweise für Betroffene, die in die Falle der Immobilienbetrüger geraten sind. Was kann man als Besitzer eines möglicherweise illegal errichteten Hauses tun?
Prütting: Der erste und wichtigste Schritt ist die Überprüfung der gesamten Dokumen-tation der Immobilie beim Eigentumsregister, im Katasteramt und, falls notwendig, bei der Küstenbehörde. Sind die Papiere nicht „en regla“, wie es im Spanischen heißt, ist der Gang zum Anwalt unerlässlich.
BonaVita: Welchen Rat geben Sie Mallorca-Liebhabern, die sich mit dem Gedanken tragen, sich dort den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen?
Prütting: Das Hauptproblem liegt darin, dass bei den allermeisten Mallorca-Freunden keine ausreichenden spaniischen Sprachkenntnisse vorhanden sind. Damit der Traum nicht zum Alptraum wird, müssen genaueste Informationen über die Traumimmobilie eingeholt werden – und zwar schriftlich. Mündliche Zusagen und Versprechen sind generell wertlos. Ist die Immobilie korrekt beim Eigentumsregister und im Kataster eingetragen? Sind die Baulizenzen vorhanden und sind sie auch tatsächlich legal? Ist für die Immobilie eine Bewohnbarkeitsbescheinigung vorhanden? Sind Lasten eingetragen: z.B. Hypotheken, Steuerschulden, Wegerechte oder Nießbrauchrechte?
Das sind grundsätzliche Fragen, die zuallererst beantwortet werden müssen.
BonaVita: Haben Sie als Mallorca-Kenner eine Erklärung dafür, warum gerade die Deutschen so fasziniert von dieser Insel sind?
Prütting: Die Schönheit und Vielfältigkeit dieser einmaligen Insel ist sicher einer der Hauptgründe. Sie ist von Deutschland aus mit dem Flieger kostengünstig in maximal zwei Stunden zu erreichen. Dazu kommt das wunderbare Klima und die funktionierende Infrastruktur. Man fühlt sich nicht in der Pampas, sondern mitten in Europa. Es gibt allein vier internationale Ganztagsschulen.
BonaVita: Wie konnte es dazu kommen, dass sich das kriminelle Netzwerk auf diese Weise etabliert hat und sich Mallorca nun sogar im Einflussbereich von Mafiaorga-nisationen befindet?
Prütting: Das liegt zum einen daran, dass Mallorca durch die Medien verklärt und zum Paradies hochstilisiert wurde. Vor allem auch durch die Fernsehserie „Hotel Paradies“. Erst kamen die Reichen, Schönen und VIPs. Dann kamen die, die die Reichen, Schönen und VIPs gnadenlos abgezockt haben. Über Nacht wurden zig Millionen, vielleicht sogar Milliarden verdient. In diesem Umfeld haben sich die kriminellen Netzwerke etabliert. Sie profitierten vor allem vom laschen Umgang mit den Gesetzen.
BonaVita: Sie sind seit Jahren als unerschrockener Journalist bekannt, der Skandale aufdeckt und auch vor brisanten Recherchen nicht zurückschreckt. Was war ihr bisher spektakulärster Fall?
Prütting: Meine Recherchen für ZDF, Schweizerisches Fernsehen, Stern und Hamburger Morgenpost zum Tod von Dr. Dr. Uwe Barschel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, der in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1987 im Genfer Hotel Beau Rivage, Zimmer 317, ermordet wurde.
BonaVita: Vielen Dank, Herr Prütting, für das informative und aufschlussreiche Gespräch!
Das Interview wurde im März 2009 geführt.
