Senioren sind sauer
Nov 12th, 2008 | By wwhep | Category: 50plusDas Einkaufen in Supermärkten wird immer schwieriger
In vielen Supermärkten hat man beim Einpacken buchstäblich alle Hände voll zu tun. Schnell türmen sich die Waren am Ende des Bandes, das meist am Einkaufswagen endet.
Da muss man ganz schön schnell sein beim Einpacken seiner Ware und beim Bezahlen, wenn man den Geldbeutel und dann eventuell auch noch die Scheckkarte herausziehen muss. Wie muss die Karte denn nun in das Lesegerät gesteckt werden. Klare Hinweise fehlen oft gänzlich und wenn man Pech hat, dann ist auch noch die Kassiererin gestresst. Ein immer schwieriger werdendes Unterfangen, wie man täglich beobachten kann. Deutschland – Servicewüste, daran hat sich weitestgehend immer noch nichts geändert.
Harsche Kritik der Senioren
„Oft hat man an den Kassen nicht die Möglichkeit, gleichzeitig einzupacken und zu kontrollieren, was die Kassiererin alles eintippt“, sagt Ernährungsberaterin Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern. Doch gerade die Senioren legen großen Wert auf die Überprüfbarkeit. Auch deshalb bekommen Supermärkte in einer von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Auftrag gegebenen Studie von den älteren Kunden oft schlechte Noten. Zurzeit gibt es einfach noch viel zu wenig Märkte, die Annehmlichkeiten für Senioren schaffen, so das Ergebnis der Studie.
Dazu gehören breite Durchgänge (auch für Rollatoren), Sitzmöglichkeiten, Toiletten und deutlichere Kennzeichnungen der Waren.
Die Studie zeigt als größtes Problem auf, dass sich 61 Prozent der Senioren im Supermarkt allein gelassen fühlen. Es fehlt ganz einfach ausgebildetes und vor allen Dingen hilfsbereites Personal für den problemlosen Einkauf.
Wieder einmal rächt sich hier, dass immer mehr Personal im Einzelhandel abgebaut oder durch Hilfskräfte ersetzt wird.
55 Prozent der Befragten bemängeln die fehlende Kundentoilette. Damit liegen sie noch vor den 52 Prozent, die schwer zu lenkende Einkaufswagen bemängeln.
Aber auch die Enge hinter den Kassen (48 Prozent) oder die viel zu hoch gestapelten Waren in den Regalen (47 Prozent) können den Einkauf verleiden. Zu kleine und damit für Senioren unleserliche Preisaus-zeichnungen (42 Prozent) sowie fehlende Sitzmöglichkeiten (43 Prozent) wurden kaum weniger kritisiert.
Genügend Änderungsvorschläge
Die über 3.300 Teilnehmer – Durchschnittsalter 70 Jahre – wurden außerdem nach Verbesserungs-vorschlägen befragt. Hier forderten sehr viele Senioren, dass die Waren nicht ständig umgestellt werden. Außerdem wünschen sich Senioren altersgerechte kleinere Packungsgrößen und kürzere Wartezeiten an den Kassen durch mehr Einsatz von Personal
Die Achtlosigkeit gegenüber den älteren Mitbürgern kann sich schon sehr bald negativ auswirken. „Wer keine Rücksicht auf die Bedürfnisse von Senioren in der gestaltung der Supermärkte nimmt, wird weniger erfolgreich sein, denn die
Zahl der Senioren steigt stetig“, so Gudrun Köster-Sartorius von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.
Nach Beendigung der Studie Ende letzten Jahres hat sich praktisch nichts verändert, was auch die bayerische Verbraucherzentrale bestätigt. Mit wenig Aufwand könnte man beginnen, etwas zu tun beispielsweise durch das Aufstellen von Sitzgelegenheiten. Das wäre mal ein Anfang.
In Kiel und Leipzig, aber auch teilweise in ländlichen Gegenden beweisen bereits einige Supermärkte speziell für Senioren, dass es besser geht.
Hier findet man Sanitätsräume, in denen sich Kunden auch mal ausruhen können. Ebenso hängt ein Defibrillator (Wiederbelebungsgerät) an der Wand, mit dem die Hälfte aller Mitarbeiter/-innen umgehen kann.
Experten wundern sich, dass die Marktlücke nicht schon längst entdeckt wurde. „Die ältere Generation wurde extrem lange vernachlässigt, sowohl beim Handel als auch bei den Herstellern“, sagt Andreas Reidl, Inhaber der Agentur für Generationenmarketing in Nürnberg. „Die Annahme, dass die Alten ihr Geld horten und unters Kopfkissen legen, stimmt nicht“. Inzwischen wird immerhin schon ein Drittel des Konsums in Deutschland von den über 60-Jährigen, der so genannten Silver Ager Generation, getätigt und es wird ständig mehr.
Quelle: BAGSO – Fotos: Wanzl GmbH

