SPORTWAGENTRAUM AUS DER STECKDOSE
Mrz 3rd, 2008 | By admin | Category: AUTO & MOBILDer Lightning GT
Die Wellen um unser Klima schlagen immer höher – auch bei der Autoindustrie. Wo es bei den meisten Serienherstellern noch länger dauern wird, bis sie serienreife Alternativmodelle in den Bereichen Hybrid- und Elektroantrieb in passabler Anzahl und in verschiedenen Größenklassen anbieten können, tun sich kleine Hersteller hier wesentlich leichter und zeigen, was bereits beim Stand heutiger Technik möglich ist. Dabei geht es keinesfalls nur um ultraleichte Stadtflitzer mit bescheidenen Reichweiten sondern durchaus um rasante Sportwagen mit atemberaubendem Design, enormen Fahrleistungen und absolut erstaunlichen Reichweiten.
So hat erst vor kurzem die Firma Tesla aus Kalifornien einen Elektro-Roadster auf Basis des Lotus Elise gezeigt, der kurz vor der Serienreife stehen soll. Er fährt mit Lithium-Ionen-Akkus.
Jetzt stellt die britische Lightning Car Company einen Sportwagentraum auf die Räder, der sagenhafte 700 PS mobilisieren kann. Basis für den Lightning GT bildet der Retro-Roadster Lightning der Sportwagenschmiede Ronart. Für den Vortrieb sorgen gleich vier Radnabenmotoren der Firma PLM Flightlink, die insgesamt 700 PS und jeder (!) 750 Newtonmeter Drehmoment bereitstellen sollen. Der absolute Clou dabei: Das Drehmoment steht permanent zur Verfügung und nicht erst ab einer bestimmten Motorendrehzahl. Damit soll der nur 1.350 Kilogramm schwere Zweisitzer Lightning Gt in nur vier Sekunden Tempo 100 erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h.
Die Hauptfrage bei einem Elektro-Roadster: Wie lade ich ihn auf? Und vor allem: Wie lange halten die Akkus? Diese beiden Kriterien stellten bisher die Schwachpunkte aller Elektroautos dar. Die Lightning Car Company verspricht eine Reichweite von sagenhaften 400 (!) Kilometern, was einer Revolution und einer Sensation gleichkäme. Das soll zum einen dadurch möglich sein, dass beim Bremsen und Bergabfahren Energie wieder in elektrischen Strom verwandelt wird. Ist der Strom endgültig verbraucht, müssen die Akkus natürlich aufgeladen werden. Zum anderen kommt ein neues Batteriesystem der noch jungen amerikanischen Firma Altairnano zum Einsatz, “NanoSafe” genannt. Mit Hilfe der Nano-Technologie sowie Titan- und Keramikkomponenten hat sie eine Batterie entwickelt, die wesentlich leistungsfähiger ist als die normalen Lithium-Ionen-Akkus und die mindesten zwölf Jahre funktionieren soll. Auch nach 15.000 Ladervogängen kann sie noch bis zu 85 Prozent der ursprünglichen Kapazität speichern. Eine Brandgefahr soll es ebenfalls nicht geben. An einem 480-Volt-Dreiphasen-Ladegerät soll der Aufladevorgang nur ganze zehn Minuten dauern, was einem konventionellen Tankvorgang absolut ähnlich wäre. An einer herkömmlichen 220-Volt-Steckdose dauert der Ladevorgang allerdings mehrere Stunden. Das Sparpotential eines solchen Elektroautos ist bei den Energiekosten enorm. Beim Lightning GT fallen laut Hersteller gerade einmal 2 Euro Energiekosten auf 100 Kilometern an. Vergleicht man ihn mit einem Audi RS4 und geht von zirka 20.000 Kilometer Jahresfahrleistung aus, so spart ein Sportwagenfahrer in Großbritannien pro Jahr umgerechnet mehr als 15.000 Euro! Dafür ist der Lightning GT in der Anschaffung nicht gerade billig: Einen endgültigen Preis nennt die Car Company noch nicht, allerdings geht man bereits jetzt von 150.000 britischen Pfund, also über 220.000 Euro für den Roadster aus. Dieser Preis wird sich bei entsprechender Nachfrage noch deutlich senken lassen.
Zurzeit wird ausgiebig getestet. Noch in diesem Jahr soll der Lightning GT in einer Kleinserie auf den Markt kommen. Und sofern der Strom, mit dem der Hightech-Akku des Wagens “befüllt” wird, mittels Wasser-/Windkraft oder Sonnenenergie hergestellt ist, erfüllt der Lightning GT sogar den Traum vom absolut abgasfreien Sportwagenfahren – es wäre eine Revolution, die laut Motorenhersteller PLM Flightlink natürlich auch in anderen Autos vorstellbar wäre. SUV und große Geländewagen mit einer solchen Technik könnten so das augenblickliche Negativ-Image loswerden.
Schöne saubere Welt, die da in absehbarer Zeit ausgerechnet durch unser aller liebstes Kind, das Automobil, entstehen kann – na ja, nicht ganz. Sauber wird die Umwelt erst, wenn alle mitziehen, aber es ist immerhin ein Anfang, ein hoffnungsvoller noch dazu.
Fotos: Lightning Car Company
