Verhinderungspflege

18. April 2015 | Von | Kategorie: SILVERAGER




Ein wichtiger Bereich im Pflegedienst

Das Thema Pflege wird in unserem Land immer aktueller und brisanter. Der Bedarf an Pflegekräften kann dadurch nur durch Mithilfe von Angehörigen gedeckt werden. Diese Mithilfe erfolgt in der Regel ehrenamtlich. Was aber passiert, wenn ein Angehöriger regelmäßig 10 Stunden pro Woche mindestens seit 6 Monaten einen Angehörigen gepflegt hat und dafür Pflegegeld aus der Pflegeversicherung erhalten und nun etwas Dringendes zu erledigen hat, krank ist oder eben auch mal Urlaub braucht – also verhindert ist?

Hier kommt dann die Verhinderungspflege, auch häusliche Ersatzpflege genannt, zum Tragen. In diesen Fällen kann zeitweise eine Ersatzpflegekraft einspringen und bezahlt werden. Diese Leistung der Pflegeversicherung schließt den Anspruch des Angehörigen auf Pflegeübernahme durch eine dritte Person mit ein.

Die Kosten der Verhinderungspflege

Verhinderungspflege Foto: Toll 24 Betreuung GmbH & Co. KG

Verhinderungspflege
Foto: Toll 24 Betreuung GmbH & Co. KG

Der Betrag in Höhe von €1.612,00 pro Kalenderjahr für diese Leistung darf von der Pflegeversicherung nicht überschritten werden. Ausnahme ist die Aufstockung um € 806,00 aus dem Kontingent der zur Verhinderungspflege in enger Beziehung stehenden Kurzzeitpflege auf insgesamt €2.418,00. Die Kurzzeitpflege ist eine zeitlich begrenzt notwendige vollstationäre Pflege. Die jährlich dafür mögliche Aufwendung von ebenfalls €1.612,00 wird dann um diesen Betrag gekürzt. Es ist umgekehrt auch eine komplette Verlagerung von den Aufwendungen für 24 Stunden Betreuung auf die Kurzzeitpflege möglich, was dann eine Aufstockung auf bis zu € 3.224,00 bewirkt, wenn für die Verhinderungspflege nichts aufgewendet werden musste. Sollte der pflegende Angehörige länger oder auch öfter verhindert sein, als der Höchstbeitrag von €1.612,00 bzw. €2.418,00 abdeckt und der Anspruch gegenüber der Pflegekasse für das laufenden Kalenderjahr bereits lange vor seinem Ablauf ausgeschöpft ist, kann ggf. im Rahmen der Hilfe zur Pflege ein Antrag auf Übernahme der entstehenden Kosten aus Mitteln der Sozialhilfe gestellt werden.

Während der Verhinderungspflege erhält der pflegende Angehörige weiterhin auch anteiliges Pflegegeld. Die Höhe beträgt dann die Hälfte der normalen Bezüge. Die maximale Dauer beträgt wie bei der Verhinderungspflege 28 Kalendertage. Das Gleiche gilt für die Kurzzeitpflege.

Die Beantragung der Verhinderungspflege

Der Antrag auf Verhinderungspflege wird bei der Pflegekasse gestellt. Eventuell notwendige ergänzende Leistungen müssen je nach Landesrecht beim zuständigen Sozialhilfeträger beantragt werden.

Umfang der Verhinderungspflege

Die Dauer der Verhinderungspflege beträgt maximal 28 Tage im Kalenderjahr. Das es jedoch keine Mindestdauer pro Einsatz gibt, kann sie auch stundenweise in Anspruch genommen werden. Das sollte jedoch immer mit der Pflegekasse im Vorhinein abgeklärt werden.

Wer darf Verhinderungspflege erbringen?

Sie kann entweder durch Mitarbeiter eines zugelassenen Pflegedienstes oder auch durch eine der oder dem Pflegebedürftigen nahestehende Person geleistet werden. Eine Ausnahme gilt, wenn die Pflege durch Personen sichergestellt wird, die bis zum zweiten Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert sind oder die mit ihm in häuslicher Gemeinschaft leben: in diesem Fall ist die Leistung der Pflegeversicherung auf das dem Pflegebedürftigen zustehende Pflegegeld beschränkt.

Allerdings können zusätzliche Aufwendungen der Pflegeperson über diesen Betrag hinaus bis zur Höhe von 1.612,00 € geltend gemacht werden, soweit sie belegt werden können. Das können etwa Fahrtkosten oder Verdienstausfälle sein. Um der Pflegekasse Aufwendungen für solche ehrenamtlichen Pflegepersonen belegen zu können, raten wir zum Abschluss von schriftlichen Verträgen, in denen eine angemessene Vergütung der erbrachten Pflege vereinbart wird.

Die Verhinderungspflege kann auch durch Einrichtungen erbracht werden, die nicht als Pflegedienst nach den Vorschriften des SGB XI zugelassen sind. So ist es z.B. möglich, sie durch Einrichtungen der so genannten Behindertenhilfe erbringen zu lassen, die Leistungsvereinbarungen mit dem Träger der Sozialhilfe nach den Regelungen des SGB XII haben.

Auch die Beschäftigung von Zivildienstleistenden, die von ihren Beschäftigungsstellen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden, ist ohne weiteres möglich. Umstritten ist, ob z.B. Freizeiten für behinderte Menschen mit Leistungen der Verhinderungspflege bezuschusst werden können. Unproblematisch sollte es dagegen sein, wenn ein Urlaub der Pflegeperson auch von dem/der Pflegebedürftigen für einen Urlaub genutzt wird und hierfür Leistungen der Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden sollen.

Wichtig ist in jedem Fall, eine Verhinderung der Pflegeperson geltend zu machen. Da Leistun-gen der Pflegeversicherung nicht ins Ausland exportiert werden dürfen, kann eine Urlaubsbetreuung im Ausland problematisch werden; werden Pflegeleistungen einer nahe stehenden Person in Anspruch genommen werden, sollte jedoch auch dies möglich sein, da die Leistungen dann nicht ins Ausland fließen. Für diese Fälle empfiehlt sich eine vorherige Rücksprache mit der jeweils zuständigen Pflegekasse.

Bonavita 60plus-Will Heppner

Fotos: Toll 24 Betreuung GmbH & Co. KG

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