Wall Street Panik
Aug 14th, 2008 | By admin | Category: EX LIBRIS, MEIN €UROBanken außer Kontrolle
Fast ein Jahrzehnt lang haben US-Banken amerikanischen Konsumenten und Immobilienkäufern Kredite aufgedrängt – ohne Rücksicht auf deren Zahlungsfähigkeit und teilweise mit dubiosen Methoden. Nun ist die Spekulationsblase am Immobilienmarkt in den USA geplatzt und hat die Weltwirtschaft in eine bedrohliche Krise gestürzt.
Weltweit müssen Banken hohe Milliardenverluste verkraften, einige – darunter die IKB Deutsche Industriebank, die WestLB und die SachsenLB – sind beinahe unter der Last zusammengebrochen. Auch die einst renommierte US-Investmentbank Bear Stearns musste gerettet werden. Die Aktienkurse sinken, der Dollar droht abzustürzen, Steuerzahler müssen für die Spekulationen der Bankmanager geradestehen. Experten sprechen von der schlimmsten Finanzkrise seit den 1930er Jahren.
Wie konnten faule Kredite und gewissenlose Bankiers eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise auslösen? Hätte die Politik diese Exzesse nicht verhindern können, verhindern müssen? Wie geht es jetzt weiter? – Der renommierte Finanzexperte und Wirtschaftsjournalist Wolfgang Köhler hat die Immobilien- und Hypothekenkrise packend aufgearbeitet und präsentiert die Ergebnisse seiner Recherchen so spannend wie ein Krimi.
Der Autor: Wolfgang Köhler
Dipl.-Kaufmann, Wirtschaftsjournalist
Der gelernte Diplom-Kaufmann Wolfgang Köhler (geb. 1947) ist mit den Themen Wirtschaft und Finanzen sowie den Krisen des Systems seit vielen Jahren vertraut. In der “Wirtschaftswoche” analysierte er bereits die Hintergründe und Folgen des Aktiencrashs von 1987. Später leitete er dort das Ressort “Geld + Kapital”. Über Banken und Börsen, Pannen und Pleiten berichtete er in den 1990er Jahren für “DIE ZEIT”. Als Börsenkolumnist warnte er seine Leser frühzeitig vor den Verrücktheiten des Internet-Aktienbooms. Heute lebt und arbeitet Köhler als freier Journalist in Düsseldorf.
Lehrreich, äußerst spannend und fundiert ist dieses Buch. Selbst Laien verstehen die komplexen Zusammenhänge und Hintergründe der Immobilien- und Finanzkrise und wie es überhaupt dazu kommen konnte.
Autor: Köhler, Wolfgang
Buch: WALL STREET PANIK – Banken außer Kontrolle
1. Aufl. 2008
ISBN: 978-3-938396-21-6
206 Seiten; Neuerscheinung – sofort lieferbar!
Hardcover/Softcover/Karte
Verlag: Mankau Verlag, Murnau a. Staffelsee
Preis: 18,95 €
Das BONA VITA – Interview
Interview mit Wolfgang Köhler zur aktuellen Finanzkrise
Wie Kredithaie die Weltwirtschaft ins Wanken bringen
„Die Finanzkrise hat zu einer Vermögensvernichtung verheerenden Ausmaßes geführt und dazu, dass Millionen amerikanischer Familien ihr Heim und viel, viel Geld verlieren.“ Wolfgang Köhler, renommierter Wirtschaftsjournalist und Autor des Buches „Wall Street Panik – Banken außer Kontrolle“, im Gespräch über die aktuelle weltweite Finanz- und Immobilienkrise.
BONA VITA: Krisen an den Finanzmärkten hat es bereits viele gegeben, wir haben uns fast schon an sie gewöhnt: Schuldenkrisen, Aktiencrashs, Währungskrisen… Was ist das Besondere der aktuellen Finanzkrise?
Köhler: Gegen die Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte konnten die Notenbanken erfolgreich mit Liquiditätsspritzen und Leitzinssenkungen vorgehen, weil die Banken im Kern gesund blieben. Wenn die Wirtschaft wegen eines Aktiencrash‘ oder einer Schuldenkrise in eine Rezession abzugleiten drohte, konnten Banken die Anschaffungs- und Investitionsneigung von Verbrauchern und Unternehmen regelmäßig mit billigen Krediten wiederbeleben. Das wird diesmal nicht so einfach gelingen. Von der Immobilienkrise sind viele US-Banken so hart getroffen, dass sie erst einmal ihre Bilanzen in Ordnung bringen müssen, ehe sie wieder neue Kredite vergeben können. Viele amerikanische Verbraucher sind obendrein so hoch verschuldet, dass sie sich kaum neue Kredite zur Beibehaltung ihres hohen Lebensstandards leisten können. Deshalb dürften Leitzinssenkungen der US-Notenbank die Wirtschaft diesmal nur in begrenztem Umfang stimulieren.
BONA VITA: In den Medien war oft zu lesen, die US-Notenbank habe mit ihrer Niedrigzinspolitik den Immobilienboom in den USA ausgelöst. Teilen Sie diese Sichtweise?
Köhler: Nein, denn als die Federal Reserve ihren Leitzins nach dem 11. September 2001 bis auf 1,0 Prozent senkte, war der Immobilienboom in den USA längst in vollem Gange. Schon 1999 sind die Preise von Einfamilienhäusern im Durchschnitt um elf Prozent und 2000 um 14 Prozent gestiegen. Mit ihrer Politik des billigen Geldes hat die Notenbank allenfalls bewirkt, dass der Boom nach dem Platzen der Internet-Blase am Aktienmarkt oder in der Rezession nach dem 11. September nicht sang- und klanglos abbrach, sondern die Kreditgeber ihn mit billigen Hypotheken weiter befeuern konnten – vor allem mit der Kreditvergabe an Kunden, die sich den Kauf eines Eigenheims eigentlich überhaupt nicht leisten konnten.
BONA VITA: Hätte die Regierung in Washington da nicht eingreifen müssen?
Köhler: Viele Bundesstaaten haben in der Tat versucht, die schlimmsten Exzesse bei der Kreditvergabe einzudämmen. Die Bundesregierung in Washington verfolgte dagegen das Ziel einer „owner society“, also einer Eigentümergesellschaft, und betrachtete die stärkere Verbreitung von Wohneigentum mit Wohlwollen. Eine einengende Regulierung der Banken lehnte sie deshalb ab. Den letzten Kick bekam der Immobilienboom dann noch, als das Finanzministerium im Jahr 2004 die von ihm beaufsichtigten Banken und ihre Tochtergesellschaften von bundesstaatlichen Verbraucherschutzgesetzen freistellte. Da legten sich die Hypothekenverleiher erst so richtig ins Zeug, kreditunwürdige Kunden zum Kauf eines Hauses zu verleiten.
BONA VITA: Wie konnte sich aus einer Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt eine globale Finanz-krise entwickeln?
Köhler: Das hängt mit der Verbriefung der Hypothekenkredite zusammen. Die kreditgebenden Banken behielten die Hypothekenforderungen ja nicht in ihren Büchern, sondern verkauften diese. Findige Spezialisten verpackten die Kredite so, dass jeder Anleger Teile eines solchen Hypothekenpakets wie eine Anleihe erwerben konnte. Und die Anleger griffen beherzt zu – siehe IKB und SachsenLB. Als sich dann herausstellte, dass die hypothekenbesicherten Anleihen doch nicht so sicher waren, entwickelte sich eine Vertrauenskrise. Das Misstrauen erstreckte sich nicht nur auf die Hypothekenanleihen, sondern bald auch auf deren Emittenten und die Besitzer von hypothekenbesicherten Anleihen. Und das waren in erster Linie Banken – weltweit –, deren wichtigste Geschäftsgrundlage nun einmal das Vertrauen ihrer Kunden ist.
BONA VITA: Wer sind die Gewinner dieser Krise? Gibt es sie überhaupt, oder wurden am Ende einfach nur gewaltige Mengen Geld bzw. Vermögen vernichtet?
Köhler: Gewinner sind, ehrlich gesagt, nur schwer auszumachen, wenn man einmal von den Gründern und Eigentümern von Hypothekenfinanzieren absieht, die rechtzeitig aus dem Geschäft ausgestiegen sind. Gewonnen haben wohl auch einige Investoren, die zum richtigen Zeitpunkt auf das Platzen der Immobilienblase gesetzt haben. Ansonsten hat die Finanzkrise nur zu einer Vermögensvernichtung verheerenden Ausmaßes geführt und dazu, dass Millionen amerikanischer Familien ihr Heim und viel, viel Geld verlieren.
BONA VITA: Die Finanzminister der G7-Staaten haben nun eine strengere Bankenaufsicht angekündigt. Reicht das Ihrer Meinung nach aus, um solche Vorfälle für die Zukunft auszuschließen?
Köhler: Hier gibt es in der Tat einiges zu tun. Als größte Schwachstelle hat sich in dieser Krise die stark zersplitterte US-amerikanische Bankenaufsicht erwiesen. Eine grundlegend neue Struktur der Bankenregulierung ist hier aber wohl erst von der nächsten Bundesregierung zu erwarten. Die Tatsache, dass beispielsweise die deutsche Bankenaufsicht nicht schon früher für die in US-Hypothekenanleihen schlummernden Risiken sensibilisiert wurde, zeigt, dass es auch in der internationalen Zusammenarbeit der Bankenaufseher Mängel gibt. Insofern haben die Verantwortlichen sicherlich viel aus der Krise gelernt. Wenn Sie mich aber fragen, ob striktere Bankenregulierung und strengere Bankenaufsicht ähnliche Krisen in der Zukunft verhindern können, dann muss ich mich als Skeptiker outen. Die meisten Finanzkrisen sind aus Übertreibungen entstanden. Diese zu verhindern bedeutet, in scheinbar gut funktionierende Märkte einzugreifen. Das erfordert großen politischen Mut und viel Durchsetzungskraft.
BONA VITA: Sollte auch der „kleine“ Anleger, Darlehensnehmer oder Häuslebauer seine Lehren aus der Krise ziehen?
Köhler: Ganz bestimmt. Die US-Immobilienkrise hat sich aus einer Spekulationsblase entwickelt. In den vergangenen Jahren haben immer mehr amerikanische Familien und Investoren Häuser nicht in erster Linie zu dem Zweck gekauft, um darin zu wohnen, sondern weil sie sich davon einen Vermögenszuwachs in Form einer Wertsteigerung des Hauses erhofften. Immobilien kaufen, zwei oder vier Jahre behalten, und dann mit Gewinn verkaufen. Das war die Absicht vieler Käufer und die Immobilienspekulation war Gesprächsthema in Bars und auf Pool-Parties. Genau so, wie Aktien in den späten 1990er Jahren für breite Bevölkerungskreise zum Party-Talk wurden. Was lehrt uns das? Wenn Geldanlagen zum Gesprächsthema für Leute werden, die sich sonst nie über Geld oder Investments unterhalten, ist größte Vorsicht geboten. Warum dies so ist, ist in meinem Buch nachzulesen.
BONA VITA: Was hat die Krise mit uns zu tun? Warum soll Otto Normalverbraucher in Deutschland ein Buch über eine Krise lesen, die irgendwo im fernen Amerika ihren Ursprung hat …?
Köhler: Der Ursprung der Krise mag im fernen Amerika liegen. Wenn aber deutsche Banken Milliardenverluste erleiden und einige unter dieser Last zusammenzubrechen drohen, wenn in Deutschland – und anderswo – wegen der Finanzkrise die Wachstumskräfte der Wirtschaft erlahmen und Tausende Arbeitsplätze gefährdet sind, dann, glaube ich, interessieren sich viele Menschen dafür, wie es dazu kommen konnte. Dieser Frage nachzugehen, davon sollte sich niemand abhalten lassen – in der irrigen Annahme, der Ursprung der Krise liege allein in der undurchschaubaren Hochfinanz und davon verstehe sie/er nichts. Im Gegenteil: Auch Banker kochen nur mit Wasser, und wenn daran etwas faul ist, können dies auch Wirtschaftslaien riechen – oder in meinem Buch nachlesen. „Wall Street Panik“ ist insofern kein „Fachbuch“, das beim Leser erhebliche Vorkenntnisse voraussetzt. Vielmehr habe ich mich in diesem Buch bemüht, in journalistischer Manier Hintergründe und Folgen der Finanzkrise für Fachleute so interessant und für weniger Fachkundige so verständlich darzustellen, dass die Lektüre für jeden einen Gewinn bietet.
Das Interview führte der Herausgeber und Chefredakteur Wolfgang A. Bocksch mit dem Autor Wolfgang Köhler.


[...] Heute lebt und arbeitet Köhler als freier Journalist in Düsseldorf. Sein Buch „Wall Street Panik“ (ISBN 978-3-938396-21-6) entwickelte sich im Herbst 2008 zu einem der Top-Sachbücher zur [...]
emm. amazing